Mati Shemoelof – bUm Community
Foto von Ali Ghandtschi
Originally published by bUm Berlin in 2026.
This interview is reproduced here as part of Mati Shemoelof’s personal archive.
Who are you? Tell us a bit about yourself.
Wer bist du? Erzähl uns ein bisschen was über dich.
I am a writer, poet, curator, and literary editor based in Berlin.
I was born and raised in Haifa and moved to Berlin more than ten years ago.
Ich bin Schriftsteller, Dichter, Kurator und Literaturredakteur. Ich bin in Haifa geboren und aufgewachsen und vor mehr als zehn Jahren nach Berlin gezogen.
My work moves between literature, political essays, cultural criticism, and community-based artistic projects. I write in Hebrew, German, and English, and I am especially interested in questions of migration, memory, language, and solidarity. Previously, I worked extensively in human rights activism, journalism, and literary curation in Israel and Germany, while also organizing cultural events and collaborations between artists, writers, and activists.
Meine Arbeit bewegt sich zwischen Literatur, politischen Essays, Kulturkritik und gemeinschaftsbasierten künstlerischen Projekten. Ich schreibe auf Hebräisch, Deutsch und Englisch und interessiere mich insbesondere für Fragen der Migration, der Erinnerung, der Sprache und der Solidarität. Davor war ich intensiv in den Bereichen Menschenrechtsaktivismus, Journalismus und Literaturkuration in Israel und Deutschland tätig und organisierte zudem kulturelle Veranstaltungen sowie Kooperationen zwischen Künstler*innen, Autor*innen und Aktivist*innen.
bUm as a community space
What brought you to bUm? What do you look for in a shared space?
Was hat dich zu bUm geführt? Was ist dir bei einem Gemeinschaftsraum wichtig?
I came to bUm because I was looking for a space that combines work with human connection and political awareness. As a freelance writer and cultural worker, isolation can become very strong. I was searching for a place that allows concentration, but also encounters, conversations, and unexpected collaborations. A shared space should not only provide desks and internet, but also a sense of openness and mutual care – a real community.
Ich bin zu bUm gekommen, weil ich nach einem Ort gesucht habe, der Arbeit mit zwischenmenschlichen Beziehungen und politischem Bewusstsein verbindet. Als freiberuflicher Autor und Kulturarbeiter kann das Gefühl der Isolation sehr stark werden. Ich war auf der Suche nach einem Ort, der Konzentration ermöglicht, aber auch Begegnungen, Gespräche und unerwartete Kooperationen. Ein gemeinschaftlich genutzter Raum sollte nicht nur Schreibtische und Internet bieten, sondern auch ein Gefühl der Offenheit und gegenseitigen Fürsorge – eine echte Gemeinschaft.
Has working in bUm matched these expectations? Does it support (or limit) your work?
Hat die Arbeit bei bUm diese Erwartungen erfüllt? Unterstützt oder schränkt bUm deine Arbeit ein?
Overall, yes. bUm creates a rare balance between professionalism and a community. It supports my work through exchanges with people from different fields and through the atmosphere of solidarity. I met new friends! I really like going to bUm, as my work place. In the past I was working in work environments that were so capitalist or un-human. Here I feel something totally different. Yes, it supports my work. Because it is not just a desk, it is a whole idea of how we re-gain our empathy and compassion within our surrounding.
Insgesamt ja. bUm schafft eine seltene Balance zwischen Professionalität und Gemeinschaft. Es unterstützt meine Arbeit durch den Austausch mit Menschen aus verschiedenen Bereichen und durch die Atmosphäre der Solidarität. Ich habe neue Freunde gefunden! Ich gehe sehr gerne zu bUm, als meinen Arbeitsplatz. Früher habe ich in Arbeitsumgebungen gearbeitet, die so kapitalistisch oder unmenschlich waren. Hier spüre ich etwas ganz anderes. Ja, es unterstützt meine Arbeit. Denn es ist nicht nur ein Schreibtisch, sondern eine ganze Idee davon, wie wir in unserem Umfeld wieder Empathie und Mitgefühl gewinnen können.
What does community mean to you? Is a co-working “community” relevant to your work and do you find it here at bUm?
Was bedeutet „Community“ für dich? Ist eine Coworking-„Community“ für deine Arbeit von Bedeutung und findest du sie hier bei bUm?
Community means friendship, positivity, and a compassionate society. My co-working community is important to my work because it resonates with my commitment to fighting all forms of racism, racialized societies, and ongoing structures of colonialism. When we do not fully succumb to a capitalist logic, we recognize that sharing power is more meaningful than accumulating it. When we hold bUm events or share lunch together, it noticeably boosts my energies.
Gemeinschaft bedeutet Freundschaft, eine positive Einstellung und eine mitfühlende Gesellschaft. Meine Coworking-Community ist für meine Arbeit wichtig, weil sie mein Engagement im Kampf gegen alle Formen von Rassismus, rassistisch geprägte Gesellschaften und fortbestehende Strukturen des Kolonialismus widerspiegelt. Wenn wir uns nicht vollständig einer kapitalistischen Logik unterwerfen, erkennen wir, dass das Teilen von Macht sinnvoller ist als deren Anhäufung. Wenn wir bUm-Veranstaltungen organisieren oder gemeinsam zu Mittag essen, gibt mir das spürbar neue Energie.
What role do you think spaces like bUm play in cities like Berlin today? What would be missing if they didn’t exist?
Welche Rolle spielen deiner Meinung nach Orte wie bUm heute in Städten wie Berlin? Was würde fehlen, wenn es sie nicht gäbe?
Cities like Berlin are becoming increasingly expensive and individualized. Independent cultural and activist spaces are disappearing. Places like bUm protect something fragile but essential: the ability of people to think, organize, create, and collaborate outside purely commercial logic. Without such spaces, the city would lose much of its democratic and cultural energy, as well as its own purpose as a culturally diverse capital of Germany.
Städte wie Berlin werden immer teurer und individualistischer. Unabhängige Kultur- und Aktivistenräume verschwinden. Orte wie bUm bewahren etwas Zerbrechliches, aber Unverzichtbares: die Fähigkeit der Menschen, außerhalb rein kommerzieller Logik zu denken, sich zu organisieren, kreativ zu sein und zusammenzuarbeiten. Ohne solche Räume würde die Stadt einen Großteil ihrer demokratischen und kulturellen Energie verlieren – ebenso wie ihren eigentlichen Zweck als kulturell vielfältige Hauptstadt Deutschlands.
challenges & changes
Many activist and non profit organisations are working under increased pressure (less & less funding, political shifting, new technologies, etc). How does this show up in your day-to-day work and how do you deal with it?
Viele Aktivisti-Gruppen und gemeinnützige Organisationen stehen unter zunehmendem Druck (immer weniger Fördermittel, politische Veränderungen, neue Technologien usw.). Wie macht sich das in deiner täglichen Arbeit bemerkbar und wie gehst du damit um?
The pressure is visible everywhere: the big cut on the cultural funding, the silence of Pro Palestinian activists, political polarization, and the erosion of the idea of democracy, at the same time we can add to that the raising prices, the militarization of Germany, the idea that we have to close borders, and ignore human rights violations around the world. Many people in cultural and activist work are surviving from project to project while trying to respond to increasingly complex realities. And AI is another danger to our life as writers.
In my own work, this often creates uncertainty and emotional fatigue. I try to deal with it through collaboration, long-term thinking, and maintaining spaces for reflection and culture even during periods of crisis. I try also always to have a day job outside my work as a writer. I feel the economic pressure already after the last cultural cuts in Berlin. It won’t be easy to live as an artist in Berlin until we will change its government. Well, there is something that is the answer to all of it. It is start with a strong community that opposes these changes. I was always creating communities with my work as curator. I think it gives a real meaning when one creates spaces where people are feeling safe, and on empowered and creative.
Der Druck ist überall spürbar: die massiven Kürzungen bei der Kulturförderung, das Schweigen pro-palästinensischer Aktivist*innen, die politische Polarisierung und die Aushöhlung des Demokratieverständnisses – dazu kommen noch steigende Preise, die Militarisierung Deutschlands, die Vorstellung, dass wir Grenzen schließen müssen, und das Ignorieren von Menschenrechtsverletzungen weltweit. Viele Menschen, die im Kultur- und Aktivismusbereich tätig sind, schlagen sich von Projekt zu Projekt durch und versuchen gleichzeitig, auf immer komplexere Realitäten zu reagieren. Und KI ist eine weitere Gefahr für unser Leben als Schriftsteller*innen.
In meiner eigenen Arbeit führt dies oft zu Unsicherheit und emotionaler Erschöpfung. Ich versuche, damit umzugehen, indem ich auf Zusammenarbeit setze, langfristig denke und auch in Krisenzeiten Räume für Reflexion und Kultur bewahre. Außerdem versuche ich, immer einen Nebenjob außerhalb meiner Tätigkeit als Schriftstellerin zu haben. Den wirtschaftlichen Druck spüre ich bereits seit den letzten Kürzungen im Kulturbereich in Berlin. Es wird nicht einfach sein, als Künstler*in in Berlin zu leben, solange wir die Regierung dort nicht ändern. Nun, es gibt etwas, das die Antwort auf all das ist. Es beginnt mit einer starken Gemeinschaft, die sich diesen Veränderungen widersetzt. Ich habe mit meiner Arbeit als Kuratorin schon immer Gemeinschaften geschaffen. Ich glaube, es hat einen echten Sinn, wenn man Räume schafft, in denen sich Menschen sicher, gestärkt und kreativ fühlen.
What changes do you wish to see in the future for your work to have more impact?
In your field, your working conditions, or politically (e.g. with the upcoming Berlin elections)?
Welche Veränderungen wünschst du dir für die Zukunft, damit deine Arbeit mehr Wirkung entfalten kann? – In deinem Fachgebiet, bei deinen Arbeitsbedingungen oder auf politischer Ebene (z. B. im Hinblick auf die bevorstehenden Berliner Wahlen)?
I would like to see stronger support for independent cultural workers, especially migrants and multilingual artists who often remain outside institutional structures. Politically, I hope Berlin go back to defend cultural diversity and freedom of expression. More stable funding and affordable working spaces would make an enormous difference. I hope that activists and organizations who are calling for the end of the occupation in Palestine will be accepted.
Ich würde mir eine stärkere Unterstützung für unabhängige Kulturschaffende wünschen, insbesondere für Migrant*innen und mehrsprachige Künstler*innen, die oft außerhalb institutioneller Strukturen stehen. Politisch hoffe ich, dass Berlin wieder für kulturelle Vielfalt und Meinungsfreiheit eintritt. Eine stabilere Finanzierung und bezahlbare Arbeitsräume würden einen enormen Unterschied machen. Ich hoffe, dass Aktivist*innen und Organisationen, die ein Ende der Besatzung in Palästina fordern, Akzeptanz finden.
In my field, I also hope that more institutions will offer long-term social solutions that see us as human beings, and not only use us as freelance workers.
In meinem Bereich hoffe ich außerdem, dass mehr Institutionen langfristige soziale Lösungen anbieten, die uns als Menschen betrachten und uns nicht nur als Freiberufler einsetzen.
Is social impact important to your work? How does bUm help you achieve these goals, especially if you are a non-profit or political organisation?
Ist die Social Impact für deine Arbeit wichtig? Wie hilft dir bUm dabei, diese Ziele zu erreichen?
Actually, being accepted into this sustainable community helps me a lot. It also empowers me to develop cultural and progressive projects, such as editing the “Bridges” magazine, which contributes to building infrastructure in Palestine. Here, I can meet with the other editors at a reduced price and work on this volunteer project. I can also think about how to use bUm spaces for my future events. It is really important and very helpful. I use Slack to ask questions and to invite the community to my events.
Tatsächlich hilft es mir sehr, in diese nachhaltige Gemeinschaft aufgenommen worden zu sein. Es gibt mir auch die Möglichkeit, kulturelle und fortschrittliche Projekte zu entwickeln, wie zum Beispiel die Herausgabe des Magazins „Bridges“, das zum Aufbau der Infrastruktur in Palästina beiträgt. Hier kann ich mich zu einem ermäßigten Preis mit den anderen Redakteuren treffen und an diesem ehrenamtlichen Projekt arbeiten. Außerdem kann ich darüber nachdenken, wie ich die Räumlichkeiten von bUm für meine zukünftigen Veranstaltungen nutzen kann. Das ist wirklich wichtig und sehr hilfreich. Ich nutze Slack, um Fragen zu stellen und die Community zu meinen Veranstaltungen einzuladen.
Foto von Ronja Falkenbach
impact & meaning
Where do you feel your work is actually making a difference and having a real impact – and where does it feel like running against a wall?
Wo hast du das Gefühl, dass deine Arbeit tatsächlich etwas bewirkt und echte Auswirkungen hat – und wo hast du das Gefühl, gegen eine Wand zu rennen?
I feel my work has impact when people tell me that a text helped them articulate an experience of migration, exclusion, or belonging that they could not previously express. Literature creates slow and sometimes invisible forms of change. At the same time, it can feel frustrating when political realities become increasingly aggressive and public discourse becomes polarized or superficial.
Ich habe das Gefühl, dass meine Arbeit etwas bewirkt, wenn mir Menschen erzählen, dass ein Text ihnen geholfen hat, eine Erfahrung von Migration, Ausgrenzung oder Zugehörigkeit in Worte zu fassen, die sie zuvor nicht ausdrücken konnten. Literatur bewirkt langsame und manchmal unsichtbare Veränderungen. Gleichzeitig kann es frustrierend sein, wenn die politischen Realitäten immer aggressiver werden und der öffentliche Diskurs sich polarisiert oder oberflächlich entwickelt.
What makes your work ‘meaningful'? How do you describe meaningfulness?
Was macht deine Arbeit „sinnvoll“? Wie würdest du „Sinnhaftigkeit“ beschreiben?
Meaningfulness comes from connection: between people, languages, histories, and emotions. I feel that my work is meaningful when it opens a space for reflection, dialogue, or recognition. Meaning is not necessarily connected to visibility or success, but rather to whether the work creates a real human encounter. At bUm, I write poems, short stories, novels, and articles; I edit journals and work on artistic performances. Whenever one of these artistic endeavors is published with a progressive point of view, it becomes meaningful to me because it brings forward a voice that has rarely been introduced into German culture: the experience of Arab Jews. At the same time, this experience is connected to something many of us share — living in Germany and within the EU without losing our roots or our connection to the societies we left behind as immigrants.
Sinn entsteht durch Verbindung: zwischen Menschen, Sprachen, Geschichten und Emotionen. Ich empfinde meine Arbeit als sinnvoll, wenn sie Raum für Reflexion, Dialog oder Anerkennung schafft. Sinn hängt nicht unbedingt mit Sichtbarkeit oder Erfolg zusammen, sondern vielmehr davon ab, ob die Arbeit eine echte menschliche Begegnung ermöglicht. Bei bUm schreibe ich Gedichte, Kurzgeschichten, Romane und Artikel; ich redigiere Zeitschriften und arbeite an künstlerischen Performances. Wann immer eines dieser künstlerischen Projekte mit einer progressiven Perspektive veröffentlicht wird, gewinnt es für mich an Bedeutung, weil es eine Stimme in den Vordergrund rückt, die in der deutschen Kultur bisher kaum Gehör gefunden hat: die Erfahrungen arabischer Juden. Gleichzeitig ist diese Erfahrung mit etwas verbunden, das viele von uns teilen – nämlich in Deutschland und innerhalb der EU zu leben, ohne unsere Wurzeln oder unsere Verbindung zu den Gesellschaften zu verlieren, die wir als Einwanderer hinter uns gelassen haben.
How do you envision the future of bUm and/or its community? How can it be organised?
Wie stellst du dir die Zukunft von bUm und/oder seiner Community vor? Wie könnte sie organisiert werden?
I hope bUm continues to grow as an open and diverse space that remains politically and culturally engaged. I think its strength lies in balancing structure with flexibility. It should remain accessible to freelancers, activists, artists, and smaller initiatives that often cannot survive in commercial coworking environments. Maintaining collective participation and transparency will be important for its future. We should find more ways to search how can we contribute to bigger aims, and the same time learn how can we deepen our friendship. The friendship will boost and help us achieve bigger causes.
Ich hoffe, dass sich bUm weiterhin zu einem offenen und vielfältigen Raum entwickelt, der politisch und kulturell engagiert bleibt. Ich glaube, seine Stärke liegt darin, Struktur und Flexibilität in Einklang zu bringen. Es sollte für Freiberufler, Aktivisten, Künstler und kleinere Initiativen zugänglich bleiben, die in kommerziellen Coworking-Umgebungen oft keinen Platz finden. Die Aufrechterhaltung kollektiver Mitbestimmung und Transparenz wird für seine Zukunft von entscheidender Bedeutung sein. Wir sollten weitere Wege finden, um herauszufinden, wie wir zu größeren Zielen beitragen können, und gleichzeitig lernen, wie wir unsere Freundschaft vertiefen können. Diese Freundschaft wird uns beflügeln und dabei helfen, größere Ziele zu erreichen.
Thank you so much Mati!
Fotos von Ali Ghandtschi und Ronja Falkenbach
Category:
Press & Interviews
Tags:
Mati Shemoelof, bUm, Berlin, Interview, Writer, Poet, Curator, Migration, Arab-Jewish