Träume ich von Israel


Ein Gedicht über Frieden, Sehnsucht und die Vision eines Nahen Ostens jenseits nationaler Grenzen.

Photo - Mati Shemoelof. Ills. Joseph Sassoon Semah

Von Gaza über Haifa bis Bagdad: Mati Shemoelof entwirft in diesem Gedicht eine Zukunft des Nahen Ostens, in der Frieden, Freiheit und gemeinsame Zugehörigkeit möglich werden.


Träume ich von Israel

Träume ich von Israel
frag ich mich, was kann noch werden
ich will bessere Nachrichten in der Zeitung lesen
mein Arabisch aufbessern, mit ihm Frieden schließen

ich will in Gaza meine Gedichte lesen, dann in den Nahostzug steigen
in Haifa halten (‘n paar Kleider und Bücher nehm ich mit)
und zur Überraschungsparty meiner Großmutter fahren
in Bagdad

Denk ich an Israel,
an ihren Beitritt in die Nahostunion,
die, wie die europäische –
Israel, was lachst Du mich aus,
Wirklichkeit zeugt doch für das unsichtbare Ringen der Träume

Ich will dahingleiten, frei in der Luft, die sich zwischen Haifa und Beirut erstreckt
will, wie die Wandervögel, ganz Europa durchwandern, Asien und Afrika,
ohne Paß, ohne Nationalität wissen sie mehr über uns,
als wir je wissen werden

unsere Konflikte und Probleme kennen sie
und kommen doch jedes Jahr aufs Neue zurück
(muß leider gerade lesen sie werden weniger)

Träume über Israel, ganz gewöhnliche,
ich phantasiere über Möglichkeiten,
Dich neu zu dichten.

–

From: Bagdad, Haifa, Berlin. Gedichte. AphorismA Verlag, Berlin, 2019. ISBN 978 3 96575 076 1

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Category - Poetry, Deutsche Gedichte

Tags: Mati Shemoelof, Träume ich von Israel, Gedichte, Lyrik, Israel, Nahost, Nahostunion, Gaza, Haifa, Beirut, Bagdad, Arabisch, Frieden, jüdisch-arabische Identität, Migration, Grenzen, Diaspora, Bagdad Haifa Berlin, AphorismA Verlag